
Kronen Zeitung
„DER DEN BALL KÜSST“
Überragender Wirtz: „Dann würde ich lügen“
„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte den genauso reinmachen.“ Sprach Florian Wirtz nach senem Traumtor für Deutschland gegen die Schweiz am Samstagabend. Der alles überragende Mann war er dennoch. Und alle schwärmen von ihm.
Das deutsche Fußball-Nationalteam hat zum Start ins WM-Jahr in der Schweiz zwar die ein oder andere Schwäche offenbart, am Ende überwiegen nach dem 4:3-Erfolg aber die positiven Eindrücke. Für Teamchef Julian Nagelsmann stimmt gut elf Wochen vor dem Start ins Turnier in Nordamerika der Weg, hervorzuheben waren am Freitagabend in Basel die starke Reaktion auf Rückschläge und vor allem ein Mann: Florian Wirtz.
Der Liverpool-Akteur stellte seine Ausnahmequalitäten gleich mehrmals unter Beweis, war an allen vier Toren direkt beteiligt. Bei der Einordnung seiner Gala-Vorstellung musste er nicht lange nachdenken. „Ja, das würde ich schon unterschreiben“, antwortete Wirtz auf die Frage, ob das 38. Länderspiel sein bisher Bestes gewesen sei. „Ich glaube, vier Scorer sind mir noch nie in einem Spiel gelungen. Deswegen ist das ganz einfach zu beantworten.“
Los ging die Wirtz-Show mit der präzisen Flanke auf den Kopf von Jonathan Tah beim 1:1, Serge Gnabry bediente er mit einem Traumpass zum 2:2. Der Kunstschuss zum 3:2 war dann der Höhepunkt. „Es war ein schönes Tor. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte den genauso reinmachen. Dass der Ball so eingeschlagen ist, ist top“, sagte Wirtz. Beim 4:3-Siegtor traf er dann in der 85. Minute mit ganz viel Gefühl im rechten Fuß präzise in den Winkel.
Wirtz „schon ein Weltfußballer“
„Er ist außergewöhnlich. Und es waren außergewöhnliche Tore“, lobte Julian Nagelsmann. Für den Bundestrainer ist Wirtz „schon ein Weltfußballer“. Auch die DFB-Teamkollegen adelten den Matchwinner. „Es ist immer wieder faszinierend, was er zaubert auf dem Spielfeld“, sagte Tah. Pascal Groß beschrieb die Wirtz-Gala so: „Flo küsst den Ball. Wir können uns glücklich schätzen, so einen Spieler in unserer Mannschaft zu haben.“
Neben Wirtz hob Nagelsmann vor allem die Mentalität seiner Mannschaft hervor. Der Schweiz wurden ihre drei Tore zwar recht leichtfertig geschenkt. Aber das Plus, das Nagelsmann ausmachte, war die Reaktion auf diese Nackenschläge. „Mentalitätsmäßig finde ich das schon sehr, sehr gut“, sagte der Teamchef. Zufrieden resümierte auch Kapitän Joshua Kimmich: „Ich fand den Auftritt insgesamt nicht verkehrt, auch wenn wir drei Tore gekriegt haben.“
Auch im Schweizer Lager konnten wichtige Erfahrungen in Richtung WM gesammelt werden. Teamchef Murat Yakin setzte insgesamt 21 Spieler ein, um bei der WM „möglichst viele Optionen zu haben“. Das Ergebnis wolle er demnach nicht überbewerten. „Manchmal braucht es solche Spiele.“ Bei Niederlagen sei der Erkenntnisgewinn oft größer als bei Siegen. So habe sich sein Team auch einiges vom Spiel der DFB-Elf abschauen können. „Wir müssen viel härter und aggressiver gegen den Ball arbeiten. So, wie es uns die Deutschen gezeigt haben.“
Frust bei Englands Coach Tuchel
In einem weiteren Duell zweier WM-Teilnehmer gewann die Niederlande gegen Norwegen 2:1. Aufseiten Oranjes herrschte bei der Einordnung der Leistung geteilte Meinung. Während Teamchef Ronald Koeman ein „sehr gutes Spiel gegen eine sehr starke Mannschaft“ sah, zeigte sich Virgil van Dijk nicht vollends zufrieden. „Es gibt noch einiges zu tun. Phasenweise lief es gut, zu anderen Zeiten weniger“, sagte der Oranje-Kapitän.
Bei Englands 1:1 gegen Uruguay stand – zumindest für „Three Lions“-Teamchef Thomas Tuchel – Schiedsrichter Sven Jablonski im Mittelpunkt. „Ich habe nicht mit ihm geredet, ich wollte nicht. Das war überhaupt keine gute Leistung während des gesamten Spiels“, meinte Tuchel. Streitpunkte waren ein ungeahndetes Foul an Phil Foden, Verwirrung um zwei Gelbe Karten für Manuel Ugarte sowie ein später, per VAR bestätigter Elfmeter, den Federico Valverde zum Ausgleich verwertete.
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Bild: GEPA
Bild: AFP/FABRICE COFFRINI
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